Das Fledermausjungtier soll seiner Mutter zurückgegeben werden

 

Mit dem Appetit kommt am 2.7. auch das Fell zum Vorschein 

 

Das Fledermauskind ist gewachsen und hat sich gut entwickelt

 

Emma putzt nun ausgiebig ihre Flügel, damit die Flughäute schön geschmeidig bleiben

 

Das letzte Foto von Emma vom 21.7., als sie an die andere Pflegestation übergeben wird

 

Fledermäuse – Beobachtungen

 

Das Fledermausmädchen Emma – die Geschichte einer Handaufzucht

Mit dem Beginn des Sommers läuft unser Nottelefon heiss: In diesem Jahr wurden innerhalb von drei Wochen 12 Fledermauskinder zu uns gebracht, welche von Hand aufgezogen werden mussten. Die Geschichte eines dieser Jungtiere wird hier erzählt.

Am 29.6. meldet die Mitarbeiterin einer Tierarztpraxis über das Nottelefon den Fund eines Jungtieres. Das Tier sei von einem Passanten neben dessen parkierten Auto am Boden entdeckt und in die naheliegende Tierarztpraxis gebracht worden. Nur wüssten die Mitarbeiter der Tierarztpraxis auch nicht, was jetzt mit dem Tier geschehen solle.
Das Fledermauskind kommt zu mir in Pflege. Bei einer ersten Betrachtung wird klar, dass es sich um ein noch nacktes und damit erst wenige Tage altes Weissrandfledermausweibchen handelt. Das Tier macht auf den ersten Blick einen munteren Eindruck und trinkt alle zwei Stunden tröpfchenweise die aus einer Spritze angebotene Ersatzmilch.
Am gleichen Abend soll das Fledermauskind seiner Mutter zurückgegeben werden – eine natürliche Aufzucht ist immer die beste. Und so wird abends am Fundort die „Rückgabe-Installation“, wie sie auch hier auf der Homepage beschrieben ist, aufgestellt und das gut aufgewärmte Fledermausjungtier darauf platziert (Abb.1). Beim Eindunkeln kommen auch schone bald die ersten erwachsenen Fledermäuse, doch das Jungtier macht keine Anstalten, laut nach seiner Mutter zu rufen und bleibt dadurch unentdeckt. Als das Junge dann doch endlich zu rufen beginnt, ist von den fliegenden Tieren weit und breit keine Spur mehr. Nach einigen Stunden wird der Versuch erfolglos abgebrochen und das Jungtier wieder eingepackt. Wir wollen es am nächsten Abend nochmals versuchen.
Leider wird mit der Rückgabe an die Mutter auch am nächsten Abend nichts, das schlechte Wetter macht diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Die Konsequenz: Das Fledermäuschen wird von Hand aufgezogen werden müssen und erhält einen Namen. Es wird von nun an Emma genannt.
Emma trinkt in den ersten drei Tagen nur kleine Portionen Ersatzmilch und muss dementsprechend oft gefüttert werden. Die Überlebenschancen scheinen aufgrund des mangelhaften Appetits eher gering. Dann ab dem dritten Tag kommt endlich der grosse Hunger – und mit ihm spriessen auch gleich die ersten Haare des Fells (Abb.2)…
In den nächsten Tagen trinkt und wächst die kleine Fledermaus beträchtlich (Abb.3) – auch der eigenen Körper-, und besonders der Flügelpflege widmet Emma nach den Mahlzeiten viel Zeit (Abb.4). Die Menge und die Abstände zwischen den einzelnen Mahlzeiten können vergrössert werden. Auch an die Hand der Ersatzmutter hat sich Emma bereits gewöhnt und beginnt mit sanftem Fiepen zu plaudern, wenn die auf die Hand genommen wird.
Und dann wird Ema plötzlich krank. Sie scheint einen Magendarminfekt oder eine Milchunverträglichkeit zu haben. Nach jeder Mahlzeit übergibt sich das Tier sofort wieder. Auch der Versuch, auf ausgedrückte Mehlwürmer umzusteigen scheitert, der Magen scheint zu sehr gereizt. Emma erhält daraufhin für den Rest des Tages lediglich kleine Portionen Wasser. Es ist sehr fraglich, ob sie diesen Tag überlebt.
Am nächsten Tag ist das Fledermauskind schwach aber hungrig. Vorsichtig wird sie in winzigen Portionen mit Mehlwurminhalt gefüttert, die Futtermenge bei jeder Mahlzeit etwas gesteigert. Als das zu funktionieren scheint, wird auch wieder wenig Milch zugefüttert. Das Tier scheint sich zu erholen… Am Tag darauf dann jedoch das nächste Problem: Emma hat verbogene Flügelknochen und das Gewebe um die Konchen herum ist angeschwollen. Die Schwellung ist schmerzhaft, das Tier hält die Flügel leicht geöffnet und schimpft bei jeder Berührung der Flügel. Diese Symptome sind typisch für einen Kalziummangel. Die fehlende Nahrung am Vortag könnte dazu beigetragen haben. In dieser Zeit entwickeln sich hauptsächlich die Flügelknochen, und dazu ist besonders viel Kalzium nötig.
Sofort erhält Emma eine stark erhöhte Kalziumzugabe über das Trinkwasser. Und tatsächlich scheint die Behandlung anzuschlagen. Einen Tag später ist die Schwellung zurückgegangen und auch die Flügelknochen werden wieder etwas weniger deformiert. Emma hat inzwischen wieder grossen Hunger und frisst unglaublich viel. Innerhalb von zwei Tagen setzt sie die verlorenen Fettreserven wieder an. Die Flügel bleiben jedoch leicht deformiert.
Am 21.7. (Abb.5) übergebe ich Emma zusammen mit den anderen Fledermauskindern in die erfahrenen Hände unserer zweiten Pflegestation, da ich selbst in die Ferien verreise. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Emma nach meiner Rückkehr wieder in Pflege nehmen werde, da sie aufgrund ihrer Flügeldeformationen das Fliegen nicht erlernen wird.
Nach den Ferien erkundige ich mich nach meinen Pfleglingen und die Überraschung und Freude ist gross, dass es Emma trotz leichter Flügeldeformation geschafft hat, das Fliegen zu lernen und in die Freiheit entlassen werden konnte. Das Jungtier hat einen unglaublichen Überlebenswillen gezeigt! Diesen wird Emma jetzt auch brauchen, um in der Wildnis die Jagd und damit das Überleben zu lernen…

 

Fledermaus-Nottelefon für Region Basel: 078 815 36 53
übrige Deutschschweiz: 079 330 60 60