Fledermaus kurz vorgestellt

Zweifarbfledermaus

Fledermäuse – Rote Liste der gefährdeten Arten

 

Rote Liste der Fledermäuse in Basel

Dr. h.c. Jürgen Gebhard.

Im Stadtgebiet wurden seit 1980 insgesamt 15 Arten nachgewiesen. Die Mehrzahl sind Einzelnachweise, darunter auch solche Arten, die gesamtschweizerisch als sehr selten beurteilt werden. Nur von zwei Arten, von der Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) und der Weissrandfledermaus (Pipistrellus kuhlii) gibt es konkrete Fortpflanzungsnachweise aus dem städtischen Raum. Beide Arten sind Spaltenbewohner und siedeln hauptsächlich in den Aussenfassaden von Gebäuden. Zur Zeit sind keine Fledermaus-Ansiedlungen in grossräumigen Dachstühlen bekannt.

Für migrierende Arten, der Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) und dem Grossen Abendsegler (Nyctalus noctula), ist das Stadtgebiet vom Spätsommer an, im Winter und bis ins Frühjahr hinein, ein wichtiger saisonaler Teillebensraum. In dieser Zeit können fliegende Fledermäuse, manchmal in grosser Zahl, festgestellt werden. Die Quartiere kennen wir meistens nicht oder werden nur zufällig bei Baumfällungen entdeckt. Die Rauhhautfledermäuse scheinen oft zwischen gelagertem Holzmaterial in Hinterhöfen, sowie an Hausfassaden und seltener in hohlen Bäumen zu überwintern, - meist einzeln, seltener in Kolonien. Die schwer zu beobachtenden Langohren (Plecotus sp.) sind wahrscheinlich ständige Stadtbewohner. Von den über dem Rhein jagenden Wasserfledermäusen (Myotis daubentonii) wurden noch keine Quartiere gefunden.

Grundsätzlich sind Baumbestände (Alleen, Parks, Stadtwälder und Bäume in Hinterhöfen) wichtig, weil Fledermäuse dort Quartiere (Baumhöhlen) und Nahrung (Fluginsekten) finden. Im Rhein entwickeln sich viele Fluginsekten, die sich bis weit in die Stadt hinein ausbreiten und dadurch zur wichtigen Nahrungsgrundlage für Fledermäuse werden.

Vermutlich muss demnächst eine Änderungen in der Artenliste vorgenommen werden, weil erst in jüngster Zeit erkannt wurde, dass in Europa die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) in zwei Arten aufgeteilt werden muss. Man unterscheidet vorläufig die niederrufende Art (die Zwergfledermaus, deren Ortungsrufe am besten bei 45 KHz hörbar sind) von einer hochrufenden (der Mückenfledermaus, deren Ortungsrufe am besten bei 55 KHz hörbar sind). Der Artstatus ist mittlerweile molekulargenetisch bestätigt, die offizielle Artanerkennung fehlt aber noch. Vermutlich leben beide Arten in der Region Basel. Eine abklärende Untersuchung ist im Gange.

 

Die gefährdeten Fledermäuse

Name Kategorie
Bartfledermaus (Myotis mystacinus) 3
>3 < 10 Nachweise, Einzelfunde  
 
Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) 3 B
>3 < 10 Nachweise, Einzelfunde  
 
Brandtfledermaus (Myotis brandtii) 4a
Nur ein Nachweis: 27. Sept. 1983  
 
Braunes Langohr (Plecotus auritus) 3 B
>3 < 10 Nachweise, Zufallsfunde  
 
Fransenfledermaus (Myotis nattereri) 3 B
>3 < 10 Nachweise, Einzelfunde  
 
Graues Langohr (Plecotus austriacus) 4a
2 Nachweise: 1984 und 1997  
 
Grosser Abendsegler (Nyctalus noctula) 4 B W
Ganzjährig, im Herbst Einwanderung, dann zahlreich. In Baumhöhlen, an Gebäuden. Funde in gefällten Bäumen. Jagdhabitat: Lange Erlen, Parks, über Wasser, über Bahnareal, grossräumige Jagdstretegie.  
 
Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri) 4 B
>3 < 10 Nachweise, Einzelfunde  
 
Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) 1
2 Nachweise: 1989 und 1999  
 
Nordfledermaus (Eptesicus nilssoni) 4a
Nur 1 Nachweis: 4. August 1981  
 
Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) 4 B W
Im Winterhalbjahr da (Migration): in Hausverkleidungen, Brennholzstapel, Baumhöhlen etc., nur Zufallsfunde. Jagdhabitat: Hinterhöfe, Alleen, Parks, Wassernähe.  
 
Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) 4 B
Im Herbst zahlreich, keine Quartiere bekannt, Einzelfunde in der Innenstadt, Jagdhabitat über Rhein und Wiese  
 
Weissrandfledermaus (Pipistrellus kuhlii) 4
Ganzjährig da, in Spalten an Gebäuden, Quartier- und Zufallsfunde. Neu ansässig seit Beginn 80er Jahre. Wärmeres Klima optimiert vermutlich Ausbreitung.  
 
Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus) 4a
>3 < 10 Nachweise, Zufallsfunde  
 
Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) 4
Ganzjährig da, zahlreich, nur ein Fortpflanzungs-Quartier bekannt  
 

 

Gefährdungskategorien für Fledermäuse

(Nach Rote Liste der gefährdeten Tiere 1994, WSL, Birmenstorf)

1 Vom Aussterben bedroht
Arten, die im Gebiet nur in wenigen und kleinen beständen vorkommen, un die durch heute bekannte
Gefährdungsursachen bedroht sind. Ihr Überleben ist unwahrscheinlich, wenn die gefährdenenden Faktoren weiter bestehen. Es bestehen Unklarheiten über Vorkommen und Verbreitung: Barbastella barbastellus.

2 Stark Gefährdet
Kategorie für Kanton Basel-Stadt nicht verwendet.

3 Gefährdet
Arten, deren Populationen regional in grossen Teilen des Gebietes durch heute bekannte Gefährdungsursachen
bedroht sind. Es bestehen Unklarheiten über Vorkommen und Verbreitung: Myotis mystacinus, Myotis nattereri, Myotis bechsteinii, Plecotus auritus.

4 Potentiell gefährdet
Arten, die im Gebiet nur wenige und kleine Vorkommen besitzen. Es bestehen Unklarheiten über Vorkommen und Verbreitung: Myotis daubentonii, Pipistrellus pipistrellus, Pipistrellus nathusii, Pipistrellus kuhlii, Nyctalus leisleri, Nyctalus noctula.

4a
Im Gebiet seltene Art, vermutlich Arealrand oder zufälliges Vorkommen: Myotis brandtii, Eptesicus nilsoni, Vespertilio murinus, Plecotus austriacus.

Zusatz B
Gefährdung durch Verlust hohler Bäume (Sommer- und Winterquartier).
Zusatz W
Für oberirdisch überwinternde Arten: Direkte Gefährdung beim Fällen von Bäumen. Gefährdung durch freilaufende Katzen. Gefährdung durch Jagdarealverlust: Hinterhöfe, Alleen, stukturreiche Gärten, insektenreiche Gewässer. Gefährdung durch Quartierverlust: Altholzbestände, Brennholzstapel, Hausverkleidungen, Hausbegrünung etc..

 

Fledermaus-Nottelefon für Region Basel: 078 815 36 53
übrige Deutschschweiz: 079 330 60 60